Liste der im Sklavenhandel involvierten Schweizer

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   Pourtalès & Cie. (Firma): Pourta
   1722 - 1814
   Neuenburg NE
   Neuchâtel (NE)
   Neuenburg NE, Frankreich, Grenada
   Bank- und Kreditgeschäfte, Händler, Plantagenbesitzer, Sklavenhalter
   Schweiz
   Bank- und Kreditgeschäfte
Handel
Sklavenhalter
   Seine Lehrjahre verbrachte Jacques-Louis de Pourtalès in verschiedenen Firmen: Bei „Pourtalès, Simons & Cie.“, den Faeschs in Basel, der „De Luze, Chaillet & Pourtalès“ und der „De Luze, Meuron & Cie.“. Er baute sich danach selbst ein Indienne-Imperium auf, 1753 gründete er unter anderem zusammen mit Claude-Abram Du Pasquier die Firma „Pourtalès & Cie.“, welche in Europa und den Kolonien Handel betrieb und bis 1801 tätig war. Pourtalès kontrollierte Textilfabriken in Neuenburg und Frankreich, besorgte für sie die Lieferung, den Absatz an französische Sklavenschiffe und manchmal auch die Finanzierung. So kaufte er 1789 Aktion von der Firma „Romberg, Bapst & Cie.“, welche seit 1786 im Sklavenhandel aktiv war und 1790 das Sklavenschiff l’Aimable Nano ausrüstete. Diese Schiff verschleppte 210 Sklaven aus Afrika nach Saint-Domingue. Pouralès galt als König der Indiennes, so dass fast alle Indienne-Fabriken von Biel über Cressier bis Grandchamps (im Drei-Seen-Land) zumindest zeitweise für die Firma „Pourtalès & Cie.“ arbeiteten. Pourtalès besass verschiedene Handelsniederlassungen in Europa und Indien (Bezug von Rohstoffen und Indiennes), aber auch in Amerika und Afrika. 1770 kaufte er zusammen mit Johann Jakob Thurneysen einige Plantagen auf Grenada. Die Plantagen hiessen „Bellair“, „Mont Saint-Jean“, „La Conférence“, „Clavier“ und „Larcher“ und produzierten bis 1797 auf 1700 Morgen Land mit je 100-200 Sklaven Zucker, Kaffee, Baumwolle und Kakao. Die Brüder François und Pierre de Meuron verwalteten die Plantagen von 1779-86. Thurneysen starb 1784, 1796 kaufte Pourtalès seine Anteile von dessen Witwe und Kindern auf. Da 1798 die Bilanz auf den Plantagen negativ ausfiel, entsandte Jacques-Louis 1790 seinen Sohn Louis nach Grenada, um seinen Besitz zu inspizieren. Hauptbestandteil des Besuches war einerseits die Inspektion des Besitzes und die Erstellung eines Inventars sowie die Verhandlungen mit John Mayor, dem Verwalter der Plantage „Clavier“. Dieser war ein Verhältnis mit der Sklavin Marie Rose eingegangen und hatte mit ihr den gemeinsamen Sohn Henry. Da er zusätzlich verbotenerweise die Verwalter einer weiteren Plantage war, wurde er freigestellt, mit der Option, seine Frau und sein Sohn zu normalem Sklavenpreis abzukaufen. Während seinem Besuch liess Louis 300 Sklaven vor der Pockenepidemie impfen. Im Zuge der französischen Revolution erhoben sich die Sklaven. Pourtalès verkaufte die verwüsteten Plantagen 1797 an einen Engländer. 1799 schien er über 18 Millionen Schweizer Pfund besessen zu haben und war damit wohl der reichste Schweizer seiner Zeit. Seinen drei Söhnen vererbte er mit 40 Millionen eines der grössten Vermögen seiner Zeit. Der Stadt Neuenburg stiftete er 1808 das „Hôpital Pourtalès“.
   Bodmer Walter, Die Entwicklung der schweizerischen Textilwirtschaft im Rahmen der übrigen Industrien und Wirtschaftszweige, Zürich 1960, S. 243.
   David Thomas / Etemad Bouda / Schaufelbuehl Janick Marina, Schwarze Geschäfte. Die Beteiligung von Schweizern an Sklaverei und Sklavenhandel im 18. und 19. Jahrhundert, Zürich 2005, S. 32, S. 66-72.
   Fässler Hans, Reise in Schwarz-Weiss. Schweizer Ortstermine in Sachen Sklaverei, Zürich 2005, S. 210-219.
   Forster Gilles, Les Suisses et la traite négrière - Etat des lieux et mises en perspective. In: Cahier des Anneaux de la mémoire. Nantes 2007.
   Röthlin Niklaus, Koloniale Erfahrungen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Die Plantagen der Firmen Thurneysen us Basel und Pourtalès aus Neuenburg auf der westindischen Insel Grenada. In: Historischen und antiquarischen Gesellschaft zu Basel, Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Basel 1991, S.143-144.
   


 





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